Wie unsere eigene Familie uns als Erwachsene und auch unsere Kinder prägt…

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Ein systemischer Blick auf transgenerationale Weitergabe

Wenn ein Kind geboren wird, dann geschieht dies nicht im luftleeren Raum. Es ist keine tabula rasa. Es wird hineingeboren in ein bereits bestehendes System. Die vorangegangen Generationen bringen ihre Erfahrungen, ihre Geschichte und ihre Erwartungen an das Kind mit. All dies prägt uns von Beginn an.

So lernen wir bereits als Säuglinge wie verlässlich andere Menschen sind, was wir bewirken können und was Vertrauen bedeutet. Unser Verständnis von Liebe, unser Umgang mit Emotionen, unser Bild von uns Selbst und der Welt- all dies wird sehr früh vermittelt und prägt all unsere nachkommenden Beziehungen.

Für kleine Kinder ist es existenziell, dass das Familiensystem stabil ist. Sie sind davon abhängig, um zu überleben, um geliebt zu werden. Daher tun sie unbewusst alles um es aufrechtzuerhalten Sie übernehmen die Rollen im System, die noch nicht besetzt sind, die aber gebraucht werden.

Vielleicht braucht es ein vernünftiges, starkes Kind, um ein fragiles System zu stabilisieren.

Vielleicht braucht es ein fröhliches, lustiges Kind, um einem System die Schwere zu nehmen.

Vielleicht braucht es ein lautes Kind, um das Schweigen des Systems zu brechen.

Vielleicht braucht es ein auffälliges oder krankes Kind, damit sich das System in der gemeinsamen Sorge verbindet.

Vielleicht braucht es ein unsichtbares, angepasstes Kind, um ein System nicht zu überlasten.

Das alles geschieht nicht zufällig. Es hat eine Funktion, einen Nutzen für das System. Dysfunktional ist es dann, wenn die Rolle, die eingenommen werde, starr sind und nicht verlassen werden können. Wenn wir auf sie festgelegt sind. Dann bleiben wir auch als Erwachsene in diesen Rollen verhaftet, obwohl sie längst nicht mehr nützlich sind und wir einen hohen Preis für die Stabilität zahlen.

Erst wenn wir erkennen können, welche Rollen wir übernommen haben, welche Muster und Dynamiken wir damit aufrechterhalten, können wir anfangen uns daraus zu befreien. Wir können anerkennen, wozu sie mal gedient haben und dass sie nun nicht mehr benötigt werden. Wir können den Kreislauf der Weitergabe durchbrechen. Was wir aufarbeiten und integrieren geben wir selbst nicht mehr an die nachfolgende Generation weiter.

In der systemischen Beratung erfragen wir daher, in welchem Kontext die Rolle entstanden ist, welche Funktion sie früher erfüllt hat und an welchen Stellen sie heute noch wirkt. Wofür ist die Rolle vielleicht auch heute noch nützlich und was kostest es mich sie weiterzuführen. Es geht um Selbstbeobachtung und Selbstreflexion, um bewusste Entscheidungsmöglichkeiten und um mehr Freiheit im Hier und Jetzt zu erhalten.

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